Nikolaus-Weihnachten.de - Weihnachtsgeschichten, Weihnachtsgedichte, Weihnachtsbilder, ...
Impressum
  
   Weihnachtsgeschichten
   Weihnachtsgedichte
   Weihnachtslieder
  
   Weihnachtsbilder
   Weihnachtsgeschichte
   Weihnachtsmarkt
   Winterbilder
   Weihnachtsmotive
  
   Die
   Weihnachtsgeschichte
   Die
   Nikolauslegende

   Biefe an den
   Weihnachtsmann

   Weihnachten im Internet





Der Weihnachtsabend

Erstes Kapitel. Marleys Geist.

Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens - Seite 10
Übersetzer: Richard Zoozmann

[ zurück zum Kapitelanfang der Weihnachtsgeschichte ]

"Geschäft!" rief das Gespenst, seine Hände abermals ringend. "Der Mensch war mein Geschäft! Das allgemeine Wohlsein war mein Geschäft! Barmherzigkeit, Versöhnlichkeit und Liebe, alles das war mein Geschäft! Alles, was ich in meinem Gewerbe tat, war nur ein kleiner Tropfen Wasser in dem weiten Ozean meines Geschäftes!"
Er hielt seine Kette vor sich hin, als ob dies die Ursache seines nutzlosen Schmerzes gewesen wäre, und warf sie abermals dumpfdröhnend nieder.
"Zu dieser Zeit des schwindenden Jahres", sagte das Gespenst, "leide ich am meisten. Warum ging ich mit zur Erde gehefteten Augen durch das Gedränge meiner Mitmenschen und wendete meinen Blick nie zu dem gesegneten Stern empor, der die Weisen zur Wohnung der Armut führte? Gab es keine arme Hütte, wohin mich sein Licht hätte leiten können?" Scrooge hörte mit Entsetzen das Gespenst so reden und fing an gewaltig zu zittern.
"Höre mich", mahnte der Geist. "Meine Zeit ist bald vorüber."
"Ich will hören", hauchte Scrooge. "Aber mache es gnädig mit mir! Werde nicht hitzig, Jakob, ich bitte dich."
"Wie es kommt, dass ich in einer dir sichtbaren Gestalt vor dich treten kann, dass weiß ich nicht. Viele, viele Tage habe ich unsichtbar neben dir gesessen."
Das war kein angenehmer Gedanke. Scrooge schauderte und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
"Es ist kein leichter Teil meiner Buße", fuhr der Geist fort. "Heute Nacht komme ich zu dir, um dich zu warnen, da noch für dich die Möglichkeit vorhanden ist, meinem Schicksal zu entgehen. Eine Möglichkeit und eine Hoffnung, die du mir zu verdanken hast."
"Du bist immer mein guter Freund gewesen", murmelte Scrooge. "Ich danke dir."
"Drei Geister", fuhr das Gespenst fort, "werden zu dir kommen." Bei diesen Worten wurde Scrooges Angesicht noch trauriger, als das des Gespenstes.
"Ist das die Möglichkeit und die Hoffnung, die du genannt hast, Jakob?" fragte er mit bebender Stimme.
"Ja."
"Ich - ich sollte meinen, das wäre eben keine Hoffnung", sagte Scrooge.
"Ohne ihr Kommen", sagte der Geist, "kannst du nicht hoffen, den Pfad zu vermeiden, den ich verfolgen muss. Erwarte den ersten morgen früh, wenn die Glocke eins schlägt."
"Könnte ich sie nicht alle auf einen Schluck nehmen?" meinte Scrooge.
"Erwarte den zweiten in der nächsten Nacht um dieselbe Stunde. Den dritten in der nächsten Nacht, wenn der letzte Schlag zwölf ausgeklungen hat. Schau mich an, denn du siehst mich nicht mehr; und schau mich an, dass du dich um deinetwillen an das erinnerst, was zwischen uns vorgefallen ist."
Als es diese Worte gesprochen hatte, nahm das Gespenst das Tuche vom Tische und band es sich wieder um den Kopf. Scrooge erfuhr das durch das Knirschen der Zähne, als die Kinnladen zusammenklappten. Er wagte es, die Augen zu erheben und sah seinen übernatürlichen Besuch vor sich stehen, die Augen noch starr auf ihn geheftet und die Kette um Leib und Arme gewunden.
Die Erscheinung entfernte sich rückwärtsgehend, und bei jedem Schritt öffnete sich das Fenster ein wenig, so dass es weit offen stand, als das Gespenst es erreicht hatte. Es winkte Scrooge, näher zu kommen, und er tat es. Als sie noch zwei Schritte voneinander entfernt waren, hob Marleys Geist die Hand in die Höhe, ihm gebietend, nicht näher zu kommen. Scrooge stand still. Mehr aus Überraschung und Furcht, als aus Gehorsam, denn wie sich die gespenstige Hand erhob, hörte er die Luft verwirrte klänge durchschwirren und unzusammenhängende Töne der Klage und des Leides, unsäglich schmerzensvoll und reuig. Das Gespenst horchte ihnen eine Weile zu und stimmte dann in das Klagelied ein; dann schwebte es in die dunkle, kalte Nacht hinaus.
Scrooge trat an das Fenster, von der Neugier bis zur Verzweiflung getrieben. Er sah hinaus.
Seite: Seite 1 - Marleys Geist   Seite 2 - Marleys Geist   Seite 3 - Marleys Geist   Seite 4 - Marleys Geist   Seite 5 - Marleys Geist   Seite 6 - Marleys Geist   Seite 7 - Marleys Geist   Seite 8 - Marleys Geist   Seite 9 - Marleys Geist   Seite 10 - Marleys Geist   Seite 11 - Marleys Geist

Der Weihnachtsabend:
1. Kapitel: Marleys Geist.
2. Kapitel: Der erste der drei Geister.
3. Kapitel: Der zweite der drei Geister.
4. Kapitel: Der letzte der drei Geister.
5. Kapitel: Das Ende.






Nikolaus-Weihnachten.de
copyright © 2006, camo & pfeiffer



Weihnachtsgeschichte: Der Weihnachtsabend - Erstes Kapitel. Marleys Geist.