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Der Weihnachtsabend

Erstes Kapitel. Marleys Geist.

Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens - Seite 2
Übersetzer: Richard Zoozmann

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kein Mann und kein Weib hat ihn je in seinem Leben um den Weg gefragt. Selbst der Hund des Blinden schien ihn zu kennen, und wenn er ihn kommen sah, zupfte er seinen Herrn, dass er in ein Haus träte, und wedelte dann mit dem Schwanze, als wollte er sagen: Gar kein Auge, blinder Herr, ist besser als ein böses Auge.
Doch was bekümmerte all das den alten Scrooge? Gerade das gefiel ihm. Allein seinen Weg durch die engen Pfade des Lebens zu wandern, jedem menschlichen Gefühl zu sagen: Bleibe mit fern; das war es, was Scrooge gefiel.
Einmal, es war von allen guten Tagen im Jahre der beste, der Christabend, saß der alte Scrooge in seinem Kantor. Draußen war es schneidend kalt und neblig, und er konnte hören, wie die Leute im Hofe, um sich zu erwärmen, prustend auf und nieder gingen, die Hände aneinander schlugen und mit den Füßen stampften. Es hatte eben erst drei Uhr geschlagen, doch war es schon stockfinster. Den ganzen Tag über war es nicht hell geworden und aus den Fenstern der benachbarten Kontors sah man auf der dicken braunen Luft Lichter, wie rote Flecken. Der Nebel drang durch jede Spalte und durch jedes Schlüsselloch und war draußen so dick, dass die gegenüberliegenden Häuser des sehr kleinen Hofes wie ihre eigenen Geister aussahen. Wenn man die trübe, dicke, alles verfinsternde Wolke heruntersinken sah, hätte man meinen können, die Natur wohne dicht nebenan und braue en gros.
Die Tür von Scrooges Kontor stand offen, damit er seinen Kommis beaufsichtigen könne, der in einem unheimlichen feuchten, kleinen Raume, einer Art Burgverlies, Briefe kopierte. Scrooge hatte nur ein sehr kleines Feuer, aber des Dieners Feuer war um so viel kleiner, dass es nur wie eine einzige Kohle aussah. Er konnte aber nicht nachlegen, denn Scrooge hatte den Kohlenkasten in seinem Zimmer, und jedes Mal, wenn der Kommis, mit der Kohlenschaufel in der Hand, hereinkam, meinte sein Herr, es würde wohl nötig sein, dass sie sich trennten. Worauf der Kommis seinen weißen Schal umband und versuchte, sich an dem Lichte zu wärmen, was aber immer fehlschlug, da er ein Mann von nicht zu starker Einbildungskraft war.
"Fröhliche Weihnachten, Onkel, Gott erhalte Sie!" rief da eine heitere Stimme. Es war die Stimme von Scrooges Neffen, der ihm so schnell auf den Hals kam, dass dieser Gruß die erste Ankündigung seiner Annäherung war.
"Pah", sagte Scrooge, "dummes Zeug!"
Der Neffe war vom schnellen Laufen so warm geworden, dass er über und über glühte; sein Gesicht war rot und hübsch, seine Augen glänzten und sein Atem rauchte.
"Weihnachten dummes Zeug, Onkel?" sagte Scrooges Neffe. "Das kann nicht ihr Ernst sein.
"Es ist mein Ernst", sagte Scrooge. "Fröhliche Weihnachten? Was für ein Recht hast du, fröhlich zu sein? Was für einen Grund, fröhlich zu sein? Du bist arm genug."
"Nun," antwortete der Neffe heiter, "was für ein Recht haben Sie, grämlich zu sein? Was für ein Grund, mürrisch zu sein? Sie sind reich genug."
Scrooge, der im Augenblick keine bessere Antwort darauf bereit hatte, sagte noch ein mal "Pah!" und brummte hinterher: "Dummes Zeug!"
"Seien Sie nicht böse, Onkel", sprach der Neffe.
"Was soll ich anders sein," antwortete der Onkel, "wenn ich in einer Welt voll solcher Narren lebe? Fröhliche Weihnachten! Der Henker hole die fröhlichen Weihnachten! Was ist Weihnachten für dich anders, als ein Tag, wo du Rechnungen bezahlen sollst, ohne Geld zu haben, ein Tag, wo du dich um ein Jahr älter und nicht um eine Stunde reicher findest, ein Tag, wo du deine Bücher abschließest und in jedem Posten durch ein volles Dutzend von Monaten ein Defizit siehst? Wenn es nach mit ginge," setzte Scrooge heftig hinzu, "so müsste jeder Narr, der mit seinem fröhliche Weihnachten herumläuft, mit seinen eigenen Pudding gekocht und mit einem Pfahl im Herzen begraben werden."
"Onkel!" machte der Neffe.
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Der Weihnachtsabend:
1. Kapitel: Marleys Geist.
2. Kapitel: Der erste der drei Geister.
3. Kapitel: Der zweite der drei Geister.
4. Kapitel: Der letzte der drei Geister.
5. Kapitel: Das Ende.






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Weihnachtsgeschichte: Der Weihnachtsabend - Erstes Kapitel. Marleys Geist.