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Der Weihnachtsabend

Erstes Kapitel. Marleys Geist.

Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens - Seite 5
Übersetzer: Richard Zoozmann

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schlau herabsah, wurde unsichtbar in den Wolken und schlug die Stunde und Viertel mit einem zitternden Nachklang, als wenn in dem erfrorenen Kopfe droben die Zähne klapperten. Die Kälte wurde immer schneidender. In der Hauptsraße an der Ecke der Sackgasse wurden die Wasserröhren ausgebessert, und die Arbeiter hatten ein großes Feuer in einer Kohlenpfanne angezündet, um die sich einige zerlumpte Männer und Knaben drängten, sich vor den behagliche Flammen die Hände wärmend und mit den Augen winkend. Die eiserne Röhre, sich selbst überlassen, strömte ungehindert ihr Wasser aus; aber bald war es zu Eis erstarrt. Der Schimmer der Läden, in denen Stechpalmenzweige und Beeren in der Lampenwärme der Fenster knisterten, rötete die bleichen Gesichter der Vorübergehenden. Die Gewölbe der Geflügel- und Materialwarenhändler sahen aus wie ein glänzendes, fröhliches Märchen, mit dem es fast unmöglich schien, den Gedanken von einer so ernsten Sache, wie Kauf und Verkauf, zu verbinden. Der Lord- Mayor gab in den innern Gemächern des Mansion- House seinen fünfzig Köchen und Kellermeistern Befehl, Weihnachten zu feiern, wie es eines Lord- Mayors würdig ist, und selbst der kleine Schneider, den er am Montage vorher wegen Trunkenheit und öffentlich ausgesprochenen Blutdurstes um fünf Schilling gestraft hatte, rührte den Pudding für morgen in seinem Dachkämmerchen um, während sein abgemagertes Weib mit dem Säugling auf dem arm ausging, um das Roastbeef zu kaufen.
Immer nebliger und kälter wurde es, durchdringend, schneidend kalt. Wenn der gute, heilige Dunstan die Nase des Gott- sei- bei- uns nur mit einem Hauch von diesem Wetter gefasst hätte, anstatt seine gewöhnlichen Waffen zu gebrauchen, dann würde er erst brav gebrüllt haben. Der Inhaber einer kleinen, jungen Nase, benagt und angebissen von der hungrigen Kälte, wie Knochen von Hunden benagt werden, legte sich an Scrooges Schlüsselloch um ihn mit einem Weihnachtsliede zu erfreuen. Aber bei dem ersten tone des Liedes ergriff Scrooge das Lineal mit einer solchen Heftigkeit, dass der Sänger voll Schrecken entfloh und das Schlüsselloch dem Nebel und der noch verwandteren Kälte überließ.
Endlich kam die Feierabendstunde. Unwillig stieg Scrooge von seinem Sessel und gab dadurch dem harrenden Kommis in dem Verlies stillschweigend die Einwilligung zum Aufbruch, worauf dieser sogleich das Licht auslöschte und den Hut aufsetzte.
"Sie wollen morgen den ganzen Tag frei haben, vermute ich," sagte Scrooge.
"Wenn es Ihnen recht ist, Sir."
"Es ist mir durchaus nicht recht," sagte Scrooge, "und es gehört sich auch nicht. Wenn ich Ihnen eine halbe Krone dafür abzöge, würden Sie denken, es geschähe Ihnen Unrecht, nicht wahr?"
Der Kommis antwortete mit einem gezwungenen Lächeln. "Und doch", sagte Scrooge, "denken Sie nicht daran, dass mir Unrecht geschieht, wenn ich einen Tag Lohn bezahle für einen Tag Faulenzen."
Der Kommis bemerkte, dass es ja nur einmal im Jahre geschähe.
"Eine armselige Entschuldigung, um an jedem fünfundzwanzigsten Dezember eines Mannes Tasche zu bestehlen", murrte Scrooge, indem er seinen Überrock bis an das Kinn zuknöpfte. "Aber ich vermute, Sie wollen den ganzen Tag frei haben? Sie werden den ganzen Vormittag hier sein!"
Der Kommis versprach, dass er kommen wolle, und Scrooge ging mit einem Brummen fort. Das Kontor war in einem Nu geschlossen, und der Kommis, mit den langen Enden seines weißen Schals über die Brust herabhängend( denn er konnte sich keines Überrocks rühmen), fuhr zu Ehren des Festes als der Letzte einer Reihe von Knaben zwanzigmal auf einem Handschlitten Cornhill hinunter und lief dann so schnell als möglich in seine Wohnung in Camden- Town, um dort Blindekuh zu spielen.
Scrooge nahm sein einsames, trübseliges Mahl in seinem gewöhnlichen, einsamen, trübseligen Gasthause ein, und nachdem er alle Zeitungen gelesen und sich den Rest des Abends mit seinem Bankjournal vertrieben hatte, ging er nach Hause zurück, um zu schlafen.
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Der Weihnachtsabend:
1. Kapitel: Marleys Geist.
2. Kapitel: Der erste der drei Geister.
3. Kapitel: Der zweite der drei Geister.
4. Kapitel: Der letzte der drei Geister.
5. Kapitel: Das Ende.






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Weihnachtsgeschichte: Der Weihnachtsabend - Erstes Kapitel. Marleys Geist.