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Der Weihnachtsabend

Erstes Kapitel. Marleys Geist.

Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens - Seite 6
Übersetzer: Richard Zoozmann

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Er wohnt in den Zimmern, die seinem verstorbenen Kompagnon gehört hatten. Es war eine düstere Flucht von Zimmern in einem niedrigen, finstern Gebäude, das in seinem Hofe so ganz und gar nicht an seinem Platze stand, dass man fast hätte glauben mögen, es habe sich, als es noch ein junges Haus war und mit anderen Häusern Versteck spielte, dorthin verlaufen und sich nicht wieder herausfinden können. Jetzt war es alt und öde genug, weil niemand dort wohnte, als Scrooge, und alle andern Örtlichkeiten als Geschäftsräume vermietet waren. Der Hof war so dunkel, dass selbst Scrooge, der dort jeden Pflasterstein kannte, seinen Weg mit den Händen fühlen musste. Der Nebel und der Frost ballten sich so dick und schwer um den schwarzen alten Torweg des Hauses, als hockte der Gott des Wetters in trauerndem Nachsinnen auf der Schwelle.
Nun steht es fest, dass an dem Klopfer der Haustür ganz und gar nichts Besonderes war, als seine Größe. Auch steht es fest, dass ihn Scrooge jeden Abend und jeden Morgen, seitdem er das Haus bewohnte, gesehen hatte, - und dass Scrooge so wenig Phantasie besaß, als irgend jemand in der City von London, mit Einschluss des Stadtrats - wenn das zu sagen erlaubt ist - der Aldermen und der Zünfte. Man vergesse auch nicht, dass Scrooge, außer heute Nachmittag, mit keinem Wörtchen an seinen seit sieben Jahren verstorbenen Kompagnon ge4dacht hatte. Und kann mir nun jemand erklären, warum Scrooge, als er seinen Schlüssel in das Türschloss steckte, in dem Klopfer, ohne das er sich verändert hätte, keinen Türklopfer, sondern Marleys Gesicht sah?
Ja, Marleys Gesicht. Es war nicht von so undurchdringlichem Dunkel umgeben, wie die andern Gegenstände im Hofe, sondern von einem unheimlichen Lichte, wie ein verdorbener Hummer in einem dunkeln Keller. Es blickte ihm nicht wild entgegen, oder zürnend, sondern sah Scrooge an, wie ihn Marley gewöhnlich ansah, mit der gespenstigen Brille auf die gespenstige Stirn hinaufgeschoben. Das Haar stand ihm seltsamlich zu Berge, wie von Wind oder heftiger Luft gesträubt, und obgleich die Augen weit offen standen, waren sie doch ohne jede Bewegung. Dies und die leichenhafte Farbe machten das Gesicht schrecklich: aber seine Schrecklichkeit schien mehr etwas dem Gesicht Aufgedrungenes zu sein, als ein Teil seines Ausdruckes.
Als Scrooge fest auf die Erscheinung blickte, da war es wieder ein Türklopfer!
Es wäre eine Unwahrheit zu sagen, dass er nicht erschrocken wäre, oder sein Blut nicht ein grausendes Gefühl empfunden hätte, das ihm seit seiner Kindheit unbekannt geblieben war. Aber gewaltsam fasste er sich, fasste mit der Hand abermals nach dem Schlüssel, drehte ihn um, trat in das Haus und zündete sein Licht an.
Und doch zögerte er einen Augenblick, bevor er die Tür schloss, und spähte erst vorsichtig dahinter, als fürchte er wirklich, mit dem Anblick von Marleys Kopf erschreckt zu werden. Aber hinter der Tür war nichts, als die Schrauben, die den Klopfer festhielten, und so sagte er: "Bah, bah", und warf sie hinter sich ins` Schloss.
Der Schall klang wie ein Donner durch das Haus. Jedes Zimmer oben und jedes Fass in des Weinhändlers Keller unten schien mit seinem besonderen Echo zu antworten. Scrooge war nicht der Mann, der sich durch Echos erschrecken ließ. Er schloss die Tür zu, ging über den Hausflur und die Treppe hinauf, und zwar langsam, langsam und beim Hinaufgehen das Licht heller machend.
Die Treppe war breit genug, um eine Bahre der Quere hinaufzubringen, und das ist vielleicht die Ursache, warum Scrooge glaubte, er sähe eine Bahre vor sich hinaufgetragen. Ein halbes Duzend Gaslampen von der Straße aus würden den Eingang nicht zu hell gemacht haben, und so kann man sich denken, dass es bei Scrooge kleinem Lichte auch ziemlich dunkel blieb.
Scrooge aber ging hinauf und kümmerte sich keinen Pfifferling um all das. Dunkelheit ist billig, und das billige liebte Scrooge. Aber ehe er seine schwere Tür zumachte, ging er durch die Zimmer, um zu sehen, ob alles in Ordnung sei. Er erinnerte sich des Gesichtes noch gerade genug, um das zu wünschen. Wohnzimmer, Schlafzimmer, Rumpelkammer, alles war,
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Der Weihnachtsabend:
1. Kapitel: Marleys Geist.
2. Kapitel: Der erste der drei Geister.
3. Kapitel: Der zweite der drei Geister.
4. Kapitel: Der letzte der drei Geister.
5. Kapitel: Das Ende.






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Weihnachtsgeschichte: Der Weihnachtsabend - Erstes Kapitel. Marleys Geist.