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Der Weihnachtsabend

Erstes Kapitel. Marleys Geist.

Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens - Seite 7
Übersetzer: Richard Zoozmann

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wie es sein sollte. Niemand unter dem Tische, niemand unter dem Sofa; ein kleines Feuer auf dem Roste, Löffel und Teller bereit und das kleine Töpfchen Suppe (Scrooge hatte den Schnupfen) an dem Feuer. Niemand unter dem Bett, niemand in dem Alkoven, niemand in seinem Schlafrock, der auf eine ganz verdächtige Weise an der Wand hing. Die Rumpelkammer wie gewöhnlich. Ein alter Kaminschirm, alte Schuhe, zwei Fischkörbe, ein dreibeiniger Waschtisch und ein Schüreisen. Vollkommen zufriedengestellt, machte er die Tür zu, schloss sich ein und schob noch den Riegel vor, was sonst seine Gewohnheit nicht war. So gegen Überraschungen sichergestellt, legte er seine Halsbinde ab, zog seinen Schlafrock an und die Pantoffeln, setzte die Nachtmütze auf und nahm dann vor dem Feuer Platz, um seine Suppe zu essen.
Es war wirklich ein sehr kleines Feuer in einer so kalten Nacht, so gut wie gar keins. Er musste sich dicht daran setzen und sich darüber hinbeugen, um das geringste Wärmegefühl von einer solchen Handvoll Kohlen zu genießen. Der Kamin war vor langen Jahren von einem holländischen Kaufmann gebaut worden und ringsum mit seltsamen holländischen Fliesen mit Bildern aus der biblischen Geschichte belegt. Da sah man Kain und Abel, Pharaos Töchter, die Königin von Saba, Engel durch die Luft auf Wolken gleich Federbetten herabschwebend, Abraham, Belsazar, Apostel in See gehend auf Butterschiffen, Hunderte von Figuren, seine Gedanken zu beschäftigen, und doch kam das Gesicht Marleys wie der Stab des alten Propheten und verschlang alles andere. Wenn jede glänzende Fliese weiß gewesen wäre und die Macht gehabt hätte, aus den vereinzelten Fragmenten seiner Gedanken ein Bild auf seine Fläche zu zaubern, auf jedes wäre ein Abbild von des alten Marley Gesicht erschienen.
"Dummes Zeug!" brummte Scrooge und schritt durch das Zimmer.
Nachdem er einige Male auf und ab gegangen war, setzte er sich wieder. Wie er den Kopf in den Stuhl zurücklegte, fiel sein Auge wie durch Zufall auf eine Klingel, eine alte, nicht mehr gebrauchte Klingel, die zu einem jetzt vergessenen Zwecke mit einem Zimmer im obersten Stockwerk des Hauses in Verbindung stand. Zu seinem großen Erstaunen und mit einem seltsamen, unerklärlichen Schauer sah er, wie die Klingel sich zu bewegen anfing: erst bewegte sie sich so wenig, dass sie kaum einen Ton von sich gab, aber bald schellte sie laut und mit ihr jede andere Klingel des Hauses.
Das mochte eine halbe Minute gedauert haben, oder eine ganze, aber es schien eine Stunde zu sein. Die Klingeln hörten gleichzeitig auf, wie sie gleichzeitig angefangen hatten. Dann vernahm man ein Klingeln tief unten, als ob jemand über die Fässer in des Weinhändlers Keller eine schwere Kette schleppte. Jetzt erinnerte sich Scrooge gehört zu haben, das Gespenster Ketten schleppen sollten.
Die Kellertür flog mit einem dumpfdröhnenden Schall auf, und dann hörte er das Klirren viel lauter auf dem Hausflur unten, dann wie es die Treppe heraufkam und dann wie es gerade auf seine Tür zuging.
"Es ist ja dummes Zeug", sagte Scrooge. "Ich glaube nicht dran."
Aber er veränderte doch die Farbe, als es nun ohne zu verweilen, durch die schwere Tür und in das Zimmer kam. Als es hereintrat, flammte das sterbende Feuer auf, als rief es: "Ich kenne ihn, Marleys Geist!" und die Glut sank wieder zusammen. Dasselbe Gesicht, ganz dasselbe. Marley mit seinem Zopfe, seiner gewöhnlichen Weste, den engen Hosen und den hohen Stiefeln, deren Öhre in die Höhe standen, wie ein Zopf, und ebenso seine Rockschöße und das Haar auf seinem Kopfe. Die Kette, die er hinter sich herschleppte, war um seinen Leib geschlungen. Sie war lang, ringelte sich wie ein Schwanz und war, denn Scrooge betrachtete sie sehr genau, aus Geldkassen, Schlüsseln, Schlössern, Hauptbüchern, Kontrakten und schweren Börsen von Stahl zusammengesetzt. Sein Leib war so durchsichtig, dass Scrooge durch die Weste hindurch die zwei Knöpfe hinten auf seinem Rocke sehen konnte.
Scrooge hatte oft sagen gehört, Marley habe kein Herz, aber erst jetzt glaubte er es.
Nein, er glaubte es selbst jetzt noch nicht. Obgleich er das Gespenst durch und durch und vor sich stehen sah, obgleich er den erklärenden Schauer seiner toten starren Augen fühlte und
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Der Weihnachtsabend:
1. Kapitel: Marleys Geist.
2. Kapitel: Der erste der drei Geister.
3. Kapitel: Der zweite der drei Geister.
4. Kapitel: Der letzte der drei Geister.
5. Kapitel: Das Ende.






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Weihnachtsgeschichte: Der Weihnachtsabend - Erstes Kapitel. Marleys Geist.