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Der Weihnachtsabend

Erstes Kapitel. Marleys Geist.

Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens - Seite 8
Übersetzer: Richard Zoozmann

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selbst den Stoff des Tuches erkannte, das ihm um Kopf und Kinn gebunden war und das er früher nicht bemerkt hatte, war er dennoch ungläubig und sträubte sich gegen das Zeugnis seiner Sinne.
"Nun," sagte Scrooge, kaustisch und kalt wie gewöhnlich, "was wollt Ihr?"
"Viel!" Das war Marleys Stimme.
"Wer seid Ihr?"
"Fragt mich, wer ich war."
"Nun, wer ward Ihr?" sagte Scrooge lauter.
"Als ich lebte war ich Euer Kompagnon, Jakob Marley."
"Könnt Ihr Euch setzen?" fragte Scrooge, ihn zweifelnd ansehend.
"Ich kann es."
"So tut`s."
Scrooge fragte nur, weil er nicht wusste, ob sich ein so durchsichtiger Geist werde setzen können, und er fühlte die Notwendigkeit einer unangenehmen Erklärung, wenn es ihm nicht möglich wäre. Aber der Geist setzte sich auf der andere Seite des Kamins nieder, als wenn er es so gewohnt wäre.
"Ihr glaubt nicht an mich?" sagte der Geist.
"Nein", sagte Scrooge.
"Welches Zeugnis, außer dem Eurer Sinne, wollt Ihr von meiner Wirklichkeit haben?"
"Ich weiß nicht", sprach Scrooge.
"Warum glaubt Ihr Euren Sinnen nicht?"
"Weil sie eine Kleinigkeit stört", entgegnete Scrooge. "Eine kleine Unpässlichkeit des Magens macht sie zu Lügnern. Ihr könnt ein unverdautes Stück Rindfleisch, ein Käserindchen, ein Stück schlechter Kartoffeln sein. Wer Ihr auch sein möget, Ihr habt mehr vom Unterleib, als von der Unterwelt an Euch."
Es war nicht eben Scrooges Gewohnheit, Witze zu machen, auch fühlte er eben jetzt keine besondere Lust dazu. Die Wahrheit ist, dass er sich bestrebte lustig zu sein, um sich zu erleichtern und sein Entsetzen niederzuhalten; denn die Stimme des Geistes machte selbst das Mark seiner Knochen erzittern.
Diesen starren, toten Augen nur einen Augenblick schweigend gegenüberzusitzen, wäre halber Tod gewesen, das fühlte Scrooge wohl. Auch dass das Gespenst seine eigene höllische Atmosphäre hatte, war so grauenerregend. Scrooge fühlte sie nicht selbst, aber doch musste es so sein; denn obgleich das Gespenst ganz reglos dasaß, bewegte sich sein Haar, seine Rockschöße und seine Stiefelöhre wie von dem heißen Dunst eines Ofens. "Ihr seht diesen Zahnstocher", sprach Scrooge, seinen Angriff aus dem eben angeführtem Grunde sogleich aufs neue beginnend und von dem Wunsche beseelt, den starren, eisigen Blick des Gespenstes, wenn auch nur für einen Augenblick, von sich abzulenken.
"Ja", antwortete der Geist.
"Ihr seht ihn ja nicht an", sagte Scrooge.
"Aber ich sehe ihn trotzdem", sprach das Gespenst.
"Gut denn", antwortete Scrooge. "Ich brauch ihn nur hinunterzuschlucken und mein ganzes übriges Leben hindurch verfolgen mich eine Legion Kobolde, die ich selbst erschaffen habe. Dummes Zeug, sag ich, dummes Zeug!"
Bei diesen Worten stieß das Gespenst einen markerschütternden Schrei aus und ließ seine Ketten so grauenerregend und fürchterlich klirren, dass sich Scrooge fest an seinen Stuhl halten musste, um nicht vor Ohnmacht herunterzufallen. Aber wie wuchs sein Entsetzen, als das Gespenst das Tuch von dem Kopfe nahm, als wäre es ihm zu warm in Zimmer, so dass der Unterkiefer auf die Brust herabsank.
Scrooge fiel auf die Knie nieder und schlug die Hände vors Gesicht.
"Gnade!" rief er. "Schreckliche Erscheinung, warum verfolgst du mich?"
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Der Weihnachtsabend:
1. Kapitel: Marleys Geist.
2. Kapitel: Der erste der drei Geister.
3. Kapitel: Der zweite der drei Geister.
4. Kapitel: Der letzte der drei Geister.
5. Kapitel: Das Ende.






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Weihnachtsgeschichte: Der Weihnachtsabend - Erstes Kapitel. Marleys Geist.