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Eine Weihnachtsbescherung

Weihnachtserzählung von Paul Heyse (1830 bis 1914)

Nu lassen Sie's aber gut sein, Herr Wachtmeister! s' ist ein staatiöses Bäumchen, `ne Prinzeß könnte damit zufrieden sein. Wenn die Selige `runtersehen könnte -
Glauben Sie nicht, dass sie's kann, Webern?
Natürlich kann sie's und wird sie's, und zumal am Heiligabend, Herr Wachtmeister. Erscheinen kann sie uns ja nicht, denn mit dem Spiritus, womit sie jetzt die Geister beschwören, ist's doch bloß Humbug, und was Christenmenschen sind, die glauben nicht dran. Denn warum? Erst am jüngsten Tage sollen wir wieder auferweckt werden und bis dahin unser Schläfchen machen, steht in der heiligen Schrift. Aber träumen tun sie doch wohl, die armen Seelen, na und Denen, die Gott lieben, gibt er's im Traum. Da wird er's der Rosel doch wohl auch geben, dass sie das Weihnachtsbäumchen sieht, das ihr lieber Mann ihr geputzt hat. So meine ich, Herr Wachtmeister. Aber nun trinken sie Ihren Kaffee. Ich habe ihn freilich in die Röhre gestellt; aber der alte Ofen ist wie'n alter Mensch, dem geht das bisschen Wärme bald aus, wenn nicht immer wieder nachgelegt wird, und draußen friert's Stein und Bein, und sie haben noch einen weiten Weg, Herr Hartlaub. Bloß noch das Pfefferkuchenherz, Weberken. Das gehört dazu, ohne das wär's nicht komplett. So eins hab' ich ihr bei unserm ersten Weihnachten an den Baum gebunden, und dann alle die zehn Jahre, und `s wär' kein Heiligabend gewesen, ohne das Herz, und immer was Anders hab' ich ihr rein gesteckt, `mal einen silbernen Fingerhut, `mal eine Brosche, das letzte Mal die kleine Uhr, immer was Andres und Teureres, denn wir kamen ja so ganz sachte in bessere Umstände; das Herz aber war immer aus demselben Laden, und die Mandeln und das Zitronat saßen auf dem selben Fleck. Heute hab' ich nichts dran gesteckt; der arme Narr könnte ja keinen Spaß mehr daran haben, der braucht keine Brosche mehr und hört keine Uhr mehr schlagen in seiner Ewigkeit, und das Geld dafür soll lieber ein armer Mensch kriegen. Meinen sie nicht, Webern?
Ja ja ja, Herr Wachtmeister. Wie Sie's machen, so ist's recht. Aber nun trinken sie auch Ihren Kaffee. `s schon Sieben. Der Kirchhof wird sonst geschlossen. O deswegen, Frau Nachbarin - da eilt's nicht. Der Kirchhofverwalter ist mein guter Freund, der hat manche Flasche Gilka von mir besehen. Wenn ich um Mitternacht anklingelte und sagte: Ich muss partu noch in dieser Nacht einen Blumentopf auf das Grab von meiner Rosel pflanzen, Herr Liborius! - er schnitte nicht `mal ein Gesicht. Aber wenn Sie meinen, Webern - mir ist wirklich ein bisschen flau zu Mute, habe seit zwölf keinen Bissen gegessen und nicht `mal geraucht. Denn so'nen Baum putzen, dazu muss ich meinen Kopf zusammennehmen und meine groben sieben Finger. Sonst war's der Rosel ihr Geschäft. Die konnte Alles. So Eine kommt nicht wieder. - -
diese Zweigespräch wurde in einer geräumigen, aber niederen Dachkammer geführt, in welcher ein mannshoher schwarzer Kachelofen nur noch gerade so viel Wärme verbreitete, dass man den Hauch des eignen Mundes nicht sah, während die Eisblumen an den Scheiben des einzigen Fensters schon wieder die schönsten glitzernden Blätter entfalteten. Im Übrigen sah es, so viel die kleine Lampe mit der grünlackierten Glocke erkennen ließ, recht wohnlich aus bei dem Wachtmeister Fritz Hartlaub, nicht sowohl durch seinen Verdienst, als weil die gute dicke Frau, die breitspurig, die Hände gegen die Schenkel gestemmt, auf der wollenen Decke des Feldbettes saß, ihm sein bisschen Mobiliar in sauberem Stande hielt und die Öldruckbilder an den Wänden, welche den Kaiser, den Fürsten Bismarck, Moltke, Werder und einige andere große Generale darstellten, fleißig mit einem großen Schwamm bearbeitete. Die eine Wand war abgeschrägt, und in der tiefen Fensternische stand ein altes braunes Nähtischchen mit einem Arbeitskörbchen, daneben in einem blankgeputzten Messingrähmchen die Photographie einer vierschrötigen Frau im Hochzeitsstaat, ganze Figur, die Hände in weißen Handschuhen, das Gesicht mit derben, gutmütigen Zügen ganz von vorn. Ein vertrocknetes Myrtenzweiglein war um das kleine Gestell gewunden, ein silberner Fingerhut stand aufrecht wie eine kleine Schildwache davor. Darüber aber, an der





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