Nikolaus-Weihnachten.de - Weihnachtsgeschichten, Weihnachtsgedichte, Weihnachtsbilder, ...
Impressum
  
   Weihnachtsgeschichten
   Weihnachtsgedichte
   Weihnachtslieder
  
   Weihnachtsbilder
   Weihnachtsgeschichte
   Weihnachtsmarkt
   Winterbilder
   Weihnachtsmotive
  
   Die
   Weihnachtsgeschichte
   Die
   Nikolauslegende

   Biefe an den
   Weihnachtsmann

   Weihnachten im Internet





Am See und im Schnee

II. Im Schnee.

Weihnachtsgeschichte von Heinrich Seidel - Seite 2

[ zurück zum Anfang der Weihnachtsgeschichte ]

feinen, wimmelnden Dämmer erfüllte. Zugleich nahm der Wind zu und begann die schon gefallenen losen Flocken über den Boden hinzutreiben.
Als die Reisenden hinter der Brücke über die Wachnitz in den Hohlweg gelangten, sahen sie, dass der ihnen vorangefahrene Schlitten schon seine Not gehabt hatte, durch den hier besonders hoch aufgetürmten Schnee zu gelangen, jedoch zum Vorteil für das folgende Gefährt, das in den zurückgelassenen Spuren fahrend die Schwierigkeiten leichter überwand. Endlich war das Dorf Büchtingshagen erreicht, und nun bot der übrige Teil des Weges auf dem ziemlich hoch gelegenen Damme der Chaussee keine besonderen Schwierigkeiten mehr. Es waren noch zwei Stunden bis zur Ankunft des Zuges, die Herr Dieterling in dem behaglich durchwärmten Gastzimmer der Stadt Hamburg durch ein kräftiges Frühstück ausfüllte, während sich draußen das Schneetreiben vermehrte und die Flocken an die vereisten Fenster prickelten. Der Wirt, nach Weise dieser Leute so guten Kunden gegenüber ein zerfließendes Gemisch von Wohlwollen und Hochachtung, kam mit sanften Katerschritten herbei, rieb die Hände zart umeinander und knüpfte eine kleine Unterhaltung an über das Schneetreiben, die Kornpreise und die ungeheure Zukunft, der das gute Zernin durch die Anlage dieser neuen Eisenbahn entgegengehe, und war bereit, Herrn Dieterling in jeder Hinsicht recht zu geben, wenn er auch noch soeben der ganz entgegengesetzten Ansicht gewesen zu sein schien. Es gehörte zu seinen Geschäftsprinzipien, immer ganz der Meinung des geehrten Herrn Vorredners zu sein.
Auf dem Bahnhofe traf Herr Dieterling zur rechten Zeit ein, allein der mit Weihnachtsreisenden stark besetzte Zug hatte wegen des ungewohnt großen Verkehrs und des Schneewetters eine halbe Stunde Verspätung, und als der Gutsbesitzer seinen Sohn aus dem Knäuel von küssenden und umarmenden Söhnen, Töchtern, Eltern, Tanten, Onkel, Bräuten, Bräutigämmern, Freunden und Freundinnen glücklich herausgefischt und in den Schlitten befördert hatte, da war das Wetter draußen fast stürmisch geworden, und der Schnee jagte durch die Straßen, als seien die Hunde hinter ihm. Krischan begnügte sich, in einem triumphierenden Hinblick auf Großvater Römpagels prophetische Knochen, mit der Peitsche auf dieses Schauspiel hinzuweisen, und fort klingelte der Schlitten durch die engen Straßen der kleinen Stadt, über deren Giebeln der Schnee hintanzte, an deren Dachvorsprüngen er wie Rauch entlang fegte. Auf der Chaussee, wo der Wind ringsum über freie Feldfläche dahinjagte, konnte man kaum die Augen geöffnet halten, denn nicht allein, dass der Schnee vom Himmel unablässig hernieder wimmelte, nein, auch der früher schon gefallene war in Bewegung, sauste in mächtigen Wolken über die Ebene dahin, füllte jeden Graben, jede Vertiefung und häufte an jedem Hindernis mächtige Wehen empor. Glücklicherweise war aber wegen ihrer erhabenen Lage auf einem Damme die Bahn auf der Chaussee selbst glatt und eben. So gelangte man nach Büchtingshagen, in dessen tiefer gelegenen Dorfstraße das Fortkommen schon schwieriger ward, denn an jedem Hause, jedem Zaun, ja überhaupt jedem geeigneten Ort hatten sich mächtige Schneewehen aufgetürmt, die zu überwinden den Pferden manche Anstrengung kostete. Trotzdem war es an schnell verwehenden Spuren bemerklich, dass kurz vorher ein anderer Schlitten denselben Weg gemacht haben musste. Als das Gefährt an dem stattlichen Dorfkruge von Büchtingshagen vorüber war, und die letzten Häuser des Dorfes passierend in den Weg gegen die Wacknitzbrücke zu einlenkte, wendete Krischan sein verschneites Haupt halb zur Seite gegen seinen Herrn und sprach bedächtig: "Sall mi doch mal wunnern, Herr, un bün doch nieglich, wo wi hüt Heiligabend fiern warden." "Ach, wat," antwortete dieser, "man tau, Krischan, dörch den Hollweg möt`t wie un nahst hett dat nix mihr to seggen. Du fühst doch dei Sledentraden vör uns. Wo dei anner dörch kümmt, dor warst du doch woll nich hacken blieben."
Krischan grinste fast unmerklich: "Jeja," sagte er, "dei ward dor woll all insitten as`n Proppen inne Buddel." Damit wandte er sich wieder und trieb seine mutigen Pferde hinein in das weiße Schneegewimmel. Zuerst ging es wohl, da sich der Weg in gleicher Fläche mit seinen Ufern dahinzog, als sich diese aber zu beiden Seiten zu erhöhen begannen, da wuchs auch
Seite: Seite 1 - Im Schnee   Seite 2 - Im Schnee   Seite 3 - Im Schnee   Seite 4 - Im Schnee   Seite 5 - Im Schnee   Seite 6 - Im Schnee

Am See und im Schnee:
1. Am See
2. Im Schnee






Nikolaus-Weihnachten.de
copyright © 2006, camo & pfeiffer



Weihnachtsgeschichte: Am See und im Schnee - Im Schnee.


Nikolausgedichte