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Am See und im Schnee

II. Im Schnee.

Weihnachtsgeschichte von Heinrich Seidel - Seite 3

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zugleich die Menge des Schnees, der sich hinter dem Ufer an der Gegenwindseite aufgehäuft hatte, die Pferde waren genötigt, ihre Gangart zu mäßigen, und stampften schnaubend und zuweilen sich mächtig schüttelnd im Schritt daher.
Fritz Dieterling war, nachdem er die notwendigsten Fragen und Antworten mit seinem Vater ausgetauscht hatte, den ganzen Weg über in Gedanken und Grübeleien versunken gewesen. Insbesondere lag es ihm am Herzen, wie bei solchem wahnsinnigen Wetter die für morgen, den ersten Weihnachtstag, verabredete Zusammenkunft am Vogelsang zu Stande kommen solle. Selbst wenn sich dieses Schneetreiben bald legen würde, sah er die Möglichkeit nicht ein, da alle Wege so gut wie ungangbar waren, noch dazu für ein zartes, junges Mädchen. Und der zweite Gedanke war einer, der ihn in diesem ganzen Vierteljahre kaum einen Tag verlassen hatte, nämlich der, wie unsinnig doch die Feindschaft dieser beiden Väter sei, deren Familien sonst durch jahrelanger Freundschaft verbunden gewesen waren. O, wie viele herrliche Versöhnungsreden hatte er in Gedanken schon gehalten, und auch jetzt, mitten in dem großen Schneegestöber wirbelten solche Worte in seinem Kopfe wie Schneeflocken umher und ließen ihn alles andere kaum beachten.
Da mit einem Mal stand der Schlitten. Die Pferde, bis an die Brust im Schnee, dampften und vermochten ihn nicht mehr von der Stelle zu bewegen. Krischan sah sich um: "Je, Herr, nu `s `t ut."
Der Hohlweg machte hier eine kleine Biegung, und an diesem Orte hatte sich der Schnee ganz besonders angehäuft. "Wenn wi utstiegen," sagte Herr Dieterling, "denn mag`t jo noch gahn." Vater und Sohn kletterten aus ihren Fußsäcken in den tiefen Schnee und auf das Ufer an der Windseite, wo der Boden ziemlich rein gefegt war. Als sie dort oben standen, bemerkten sie gleich hinter der Biegung des Hohlweges dicht vor sich einen zweiten Schlitten in derselben Lage, nur noch tiefer in den Schnee verfahren. Auch dessen beiden Insassen waren im Begriff auszusteigen und das Seitenufer zu gewinnen, das an jener Stelle ziemlich steil war. Da eine in Pelze und Mäntel gehüllte Dame dabei war, so eilte Fritz schnell hinzu, um ihr behilflich zu sein, und als er nieder kniend die Hände hinabreichte, durchzuckte ihn ein vergnügter Schreck, denn in diesem Augenblicke wehte der Wind den Schleier beiseite, und Hellas Antlitz schaute ihm, von verstohlener Freude lieblich gerötet, entgegen. Er half ihr das Ufer ersteigen und leistete dann auch dem dicken Maifeld den nötigen Beistand. Von hier oben übersah man gleich, dass es ein aussichtsloses Unternehmen war, in diesen Hohlweg noch weiter einzudringen, denn an seinem vorderen Ende, wo er am tiefsten und dem Unwetter am heftigsten ausgesetzt war, bestand er sich fast gestrichen voll Schnee.
Herr Maifeld übersah dies mit Feldherrnblick und traf seine Anordnungen. "Johann," brüllte er mit einer Stimme, die gewohnt war, über Felder und Wiesen hinweg Befehle zu erteilen, "mit die beiden Brunen kümmst du noch dörch, wenn du sei äwer dat Aeuwer lerrst.Denn fett di up dat Sadelpierd un mak, dat du na Hus kümmst, un denn bringso väl Lühr mit Schüffeln mit, as jichtens tau kriegen sünd. Wi gahn so lang nach Büchtingshagen in`n Kraug!"
Herr Dieterling, der die Befreiung seines Schlittens aus dieser misslichen Lage natürlich nicht seinem Feinde verdanken wollte, gab seinem Krischan unverweilt denselben Auftrag, und so haspelten sich die beiden Kutscher mit den abgespannten Pferden nach rückwärts, leiteten sie auf dem ziemlich schneefreien Ufer der Windseite einen Fußweg entlang, brachten sie auf diesem Umwege glücklich den Abhang an der Wacknitz hinab und zuckelten dann, alsbald im Schneegestöber verschwindend, davon, um ihre Aufträge zu erfüllen.
Unterdes hatte auch Maifeld natürlich seinen Gegner erkannt, Fritz hatte sich nach geleisteter Hilfe wieder respektvoll zu seinem Vater zurückgezogen, und während nun die beiden Paare kämpfend mit Wind und Schneetreiben in gemessener Entfernung voneinander dem Dorfe Büchtingshagen zustrebten, bewegten die mannigfachen Gedanken ihre Gemüter. Hella war erfüllt von Bangigkeit, wie diese Sache ablaufen würde, und zugleich von Glück über das unvermutete Wiedersehen mit ihrem Geliebten. Freilich, ob es so ganz unvermutet war, das konnte man wohl ein wenig in Frage stellen. Denn da sie ganz genau wusste, an welchem
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Am See und im Schnee:
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