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Am See und im Schnee

II. Im Schnee.

Weihnachtsgeschichte von Heinrich Seidel - Seite 4

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Tage und mit welchem Zuge Fritz in Zernin ankommen musste, so traf es sich höchst merkwürdig, dass sie gerade um diese Zeit ganz notwenige und unaufschiebliche Besorgungen in der Stadt zu machen hatte, wieder einer jener Zufälle, die oft von ungeahnten Folgen sind.
Fritz dagegen war von stürmischen Gedanke erfüllt, die einander drängten und jagten. Dieser glückliche Zufall, der die beiden feindlichen Männer zum ersten Mal nach zehn Jahren an einen Ort führte, wo sie sich nicht entrinnen konnten, dieser vielleicht niemals wiederkehrende Augenblick durfte nicht ungenutzt vorübergehen. Aber wie? Das war die Frage. Die beiden Väter aber ärgerten sich, verdammten diesen hässlichen Zufall und schnauften, da sie beide wohlbeleibt waren und in schweren Pelzen steckten, mit Anstrengung durch den hohen Schnee dahin. Es war Nachmittag, die Dämmerung machte sich bereits bemerklich, und ehe die Hilfe von den Dörfern kam und Bahn in den Schnee geschaufelt war, konnten einige Stunden vergehen. Und so lange mussten sie in der sogenannten Herrenstube des wohleingerichteten Dorfkruges von Büchtingshagen miteinander aushalten. Eine Partie Whist mit dem Strohmann bildeten sie allerdings gerade, aber daran war ja gar nicht zu denken. Verdammte Geschichte!
Dieterling und sein Sohn langten zuerst an und nahmen von dem alten Rosshaarsofa an dem einen Ende des Zimmers Besitz, Maifeld und Tochter ließen sich am andern Ende auf dem neuen glanzledernen nieder. Zwischen beiden Parteien herrschte Schweigen und Dämmerung. Die freundliche Wirtin kam herein, bedauerte redselig das Schicksal der im Schnee Steckengebliebenen und nahm deren Bestellungen entgegen, während eine Magd den alten, schwarzen Kachelofen bis an den Rand voll Holz stopfte, so dass bald ein mächtiges Gebuller anhub und der Feuerschein auf den Fußboden des dämmrigen Zimmers tanzte. Draußen prickelte noch immer der Schnee an die Scheiben, doch hier drinnen wäre es ganz behaglich gewesen, hätte nicht das Gespenst eines alten Haders zwischen beiden Parteien gestanden.
Fritz Dieterling, der still und brütend in seiner Ecke gesessen hatte, schien endlich seinen Plan fertig zu haben, er stand leise auf und ging hinaus. Drinnen wurde es allmählich dunkler, denn Licht hatten sich die beiden Herren einstweilen noch verbeten. Sie fühlten sich wohler, wenn sie einander nicht sahen. Beide rauchten in schweigendem Brüten "as wenn `n lütt Mann backt", und jeder sah die Zigarre des andern wie einen Glühwurm aus dem Dunkel leuchten. Die beiden Männer saßen in ihren Ecken wie zwei Gewitterwolken; und wenn sie in der Wucht der Gedanken, die sie bedrängten, stärker an ihren Zigarren zogen, so wetterleuchtete es auch, während ihr zeitweiliges Räuspern wie ein entfernter Donner klang. So saßen sie eine lange Weile, bis es ganz finster war. Da machte sich draußen auf der Diele ein Geräusch bemerkbar, und ein heller Lichtstreif wanderte durch die Türritze auf dem Fußboden hin. Plötzlich öffnete sich die Tür, und ein Strom von Helle ergoss sich in das Zimmer, denn die Wirtin trat herein, in jeder Hand eine Lampe. Hinterher folgten zwei stämmige Dienstmädchen und trugen einen für vier Personen gedeckten Tisch mit lauter guten Sachen besetzt. Dann kam Fritz mit einer mächtigen Bowle Weinpunsch, die ringsum herrlichen Duft verbreitete. Diese setzte er mitten auf den Tisch, die Wirtin stellte die Lampen daneben und ging mit ihren beiden Gehilfinnen eilends wieder hinaus. Eine dumpfe Stille war ringsum verbreitet, die beiden Väter sahen starr und drohend aus, und Hella war blass geworden wie draußen der frischgefallene Schnee. Auch Fritz schien ein wenig bedrückt von der Schwere dieses bedenklichen Augenblicks, denn er atmete tief und presste die Lippen aufeinander. Dann aber fasste er sich, stützte leicht die Fingerknöchel auf den Tisch und sprach mit klarer , vernehmlicher Stimme: "Verehrte Anwesende, ich bitte nur um wenige Augenblicke Gehör für eine ganz kleine Geschichte, die ich erzählen will. Es waren einmal zwei Männer, die beide ihr Vaterland innig liebten und bemüht waren, zu seinem Gedeihen so viel beizutragen, als nur in ihren Kräften stand. Über die Wege zu diesem Zwecke aber waren sie nicht einig, und da jeder glaubte, der seine sei der einzig richtige, so gerieten sie darüber in ein
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Am See und im Schnee:
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