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Am See und im Schnee

II. Im Schnee.

Weihnachtsgeschichte von Heinrich Seidel - Seite 5

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Zerwürfnis, und sie, deren Familien in ererbter Freundschaft durch viele Jahre miteinander verbunden waren, die Trauer und Freude, Leid und Lust bis dahin miteinander geteilt hatten, betrachteten sich mit Hass und Verachtung und lebten fortan in Feindschaft. Jahre vergingen, da kam plötzlich wie aus blauer Luft ein gewaltiger Krieg in das Land mit einem alten und mächtigen Feinde. Das Land, in Parteien vielfach zersplittert, vergaß seine politischen Kämpfe, Nord und Süd, die sich soeben noch feindlich gegenüberstanden hatten, reichten sich brüderlich die Hände, aller Hader war vergessen, alle Feindschaft vorbei, der einen großen, gemeinsamen Gefahr gegenüber. Vereinigt gingen sie Schulter an Schulter gegen den Feind und warfen in unglaublich kurzer Zeit seine gewaltige Macht zu Boden. Ungeheurer Jubel herrschte in dem geeinigten Lande, Träume der Sehnsucht gingen in Erfüllung, die alte Kaiserkrone strahlte in neuem Glanze, und die goldene Zeit war da, eher, als irgend jemand geglaubt oder geahnt hatte. Die beiden Männer jedoch, deren ich vorhin erwähnte, trugen ihren alten Groll hinüber in das neue Reich, das glorreich, mächtig und einig dasteht, eine Bürgschaft des Friedens. Das war nicht gut, und darum kommt einer der jungen, der selber mitgeholfen hat in diesem Kampfe, er kommt mit der herzlichen Bitte an die beiden Männer, sie möchten ihren alten verjährten Groll hinüberwerfen auf die andere Seite, wo Hass und Hader, Zank und Streit begraben liegen, hoffentlich für ewige Zeit. Der liebe Gott zeigte ihnen so sichtlich den Weg, er sendete einen gewaltigen Schneesturm und führte dadurch die beiden Männer zusammen an einen Ort, er tat dies am heiligen Abend vor Weihnachten, zu einer Zeit also, die im ganzen deutschen Lande und weit hinaus, überall, wo nur Deutsche wohnen, den freundlichen Empfindungen der Liebe, der Freundschaft und des Wohlwollens geweiht ist. -
Keine bessere Stunde könnte sich finden, den alten Hader zu begraben und sich versöhnlich die Hände zu reichen, als diese, in der einst die Engel sangen: "Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!"
Eine tiefe Stille herrschte, als Fritz seine Rede beendigt hatte; da setzten draußen wie auf Verabredung die Kirchenglocken ein, das Weihnachtsfest einzuläuten - langsam anschwellend tönten die feierlichen Klänge durch die stille Winternacht. Fritz nahm zwei gefüllte Gläser, das eine reichte er Hella mit den leise geflüsterten Worten: "Bring`s meinem Vater!" das andere gab er Herrn Maifeld, der sich vor Rührung gewaltig räusperte und dem wahrhaftig eine dicke Träne über die gebräunte Wange lief. Herr Dieterling erhob sich schwerfällig vor der jungen Dame, die ihn so lieblich flehend ansah, auch in seinem Gesicht zuckte und arbeitete es wunderlich, und als sie seine Hand ergriff und ihn führte, da folgte er wie willenlos. Maifeld, von Fritz geleitet, kam ihm entgegen, sie stießen an mit den Gläsern und drückten sich die Hände, stumm, aber gewaltig. Endlich gewann Herr Maifeld Macht über sich und fand seine Sprache wieder: "Ein famoser Kerl, dein Sohn," sagte er, "solchen möcht` ich woll haben!"
"Na, und so`n schönes, liebes Töchting!" erwiderte Herr Dieterling, "das ließ ich mir auch woll gefallen."
O wie hell horchte Fritz auf, als er diese Worte hörte! Mit einem Mal war er an Hellas Seite, zog sie, die den Kopf an seiner Brust schmiegte, an sich und rief: "Dieser Wunsch, liebe Väter, kann auf der Stelle in Erfüllung gehen - wir haben nichts dagegen!"
Die beiden Männer waren ganz starr vor Verwunderung und sahen erst sich, dann das schöne Pärchen an.
"Ne, so`n Racker!" sagte Herr Maifeld endlich. "So`n Jesuwiter!" fügte Herr Dieterling hinzu, wobei jeder den eigenen Sprössling meinte. Aber was sollten sie machen, überrumpelt waren sie nun einmal, und da die alte Feindschaft plötzlich zu Ende war, so lag auch nicht der geringste Grund dagegen vor. Sie schenkten also die Kinder einander zum Weihnachten, setzten sich behaglich an die reichbesetzte Tafel, und es herrschte Friede und Wohlgefallen.
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Am See und im Schnee:
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